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EFEN 100 Jahre EFEN: Eine Panne führte zur Geschäftsidee

Heute ist das Stammhaus in Uebigau in Brandenburg/ Einst bedeutender Arbeitgeber im Rheingau

Die wochenlange Wartezeit auf eine fehlende Sicherung für seinen Peugeot war für Otto Frees vor 100 Jahren der Auslöser zur Gründung von EFEN in Martinsthal, das damals noch Neudorf hieß. Die Abkürzung EFEN steht für Elektrotechnische Fabrik Neudorf. Das zusätzliche „E“ wurde eingefügt, um die Abkürzung als Wort besser aussprechen zu können. Zunächst gründete Otto Frees seine kleine Fabrik im Haus seines Mitgesellschafters Julius Ditt in der Hauptstraße. Fünf Mitarbeiter konnten dort beschäftigt werden. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, suchte Otto Frees ein größeres Objekt und erwarb 1937 die Klingenmühle an der B260 Richtung Schlangenbad, die in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut wurde und bis 2019 Stammsitz der EFEN GmbH blieb.

Martinsthal. (chk) – „Damit schuf man mehr Produktionszweige für die Kfz-Sicherungen“, berichtete Thomas Münch bei der großen Jubiläumsfeier auf Schloss Johannisberg. Gemeinsam mit Ekkehard Kohl ist Münch Geschäftsführer der EFEN GmbH, die ihr Stammhaus seit 2019 in Uebigau in Brandenburg hat, wo sie bereits 1992 einen Produktionsstandort gegründet hatte. Münch wies darauf hin, dass es nach Kriegsende temporär ein Verbot für diese Art der Produktion gab, da EFEN als Kriegsproduzent galt. Doch dieses Verbot eröffnete wiederum neue Chancen, wie Münch weiter ausführte, denn der Mangel in der zerstörten deutschen Industrie führte zur Produktion von Sicherungsunterteilen und Sicherungen für die Industrie, den Vorläufern von Lastschaltleisten und Trennern.

„Das Wirtschaftswunder prägte auch die weitere Entwicklung der EFEN. Büro- und Produktionserweiterungen sind an der Tagesordnung. Firmengründer Otto Frees wird von seiner Tochter Gisela unterstützt, die sich seit 1949 im väterlichen Betrieb von Grund auf hochgearbeitet hat“, heißt es in der Dokumentation zur 100-jährigen Firmengeschichte. „Ab 1953 beginnt sie mitzubestimmen und bekommt immer mehr Verantwortung übertragen. 1963 tritt Sohn Friedhelm nach Abschluss seines Ingenieurstudiums in das Unternehmen ein.“ Für den Ingenieur und technischen Leiter war die Weiterentwicklung des Trennschalters zum Lasttrennschalter ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit in Betrieb und Handhabung. Mit dem Tod von Otto Frees im Jahr 1969 übernahm Tochter Gisela „das Ruder“ der kaufmännischen Leitung. Als Chefin habe die erfolgreiche Unternehmerin auf ein herzliches Miteinander mit ihren Mitarbeitern gesetzt, heißt es weiter. Die Geschwister Frees hätten sich gut verstanden und bei Bedarf problemlos ihre Aufgabenbereiche tauschen können.

Wie weiter aus dem Rückblick hervorgeht, übertrugen die beiden Inhaber 1985 das Unternehmen an die Wickmann-Werke in Witten, um den Fortbestand der EFEN auf Dauer zu sichern. Damit einher ging die Übergabe der Geschäftsführung an Gottfried Stolper, der bereits 1975 als Betriebsleiter eingestellt worden war. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass Eltville nicht an der französischen Grenze liegt, ist er mit seiner Frau von Kiel in den Rheingau gezogen, wie er in seiner lockeren Ansprache schilderte. Offenbar hat es ihm in der Region gefallen, denn er lebt bis heute – 14 Jahre nach seinem Ruhestand – immer noch im Rheingau.

Für EFEN hatte die Übernahme durch Wickman, einen weiteren Aufschwung zur Folge und der Umsatz verdoppelte sich. Weitere Neubauten erfolgten am Standort der Klingenmühle und 1991 wurde ein neues Fabrikationsgebäudes für Thermoplast-Verarbeitung eingeweiht. Aufgrund der sofort nach der Wende 1990 begonnen engen Zusammenarbeit mit uesa in Uebigau, Brandenburg, erfolgte dort im April 1992 die Gründung der Betriebstätte EFEN Uebigau. Schon ein Jahr später wurde dort das neue Produktionsgebäude eingeweiht. Von Uebigau aus wurden die Absatzmärkte in den neuen Bundesländern und in Osteuropa erschlossen. „Für uns Ossis war es eine Goldgräberstimmung“, beschrieb Geschäftsführer Ekkehard Kohl die ersten Jahre nach der Wende. „Es gab viele Höhen und einige Tiefen, aber immer war EFEN partnerschaftlich für uesa da.“ Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Seit 2019 gehört EFEN zur uesa-Gruppe.

Turbulente Jahre

Dazwischen liegen Jahre, die von Geschäftsführer Thomas Münch als erfolgreich bezeichnet wurden, die aber für EFEN und die Belegschaft teilweise turbulent waren, insbesondere ab 2004, als die Wickmann-Werke von Littlefuse übernommen wurden. „Es ergab sich sehr schnell die Erkenntnis, dass wir nicht zu den Entwicklungsplänen der Littlefuse passten“, sagte er. Die Übernahme durch die Hager Group 2006 habe EFEN in der folgenden Epoche ein großes Stück vorangebracht. „2016 orientierte sich die Hager Group um; ab dieser Zeit war auch hier kein Platz mehr für EFEN“, räumte Münch ein. Im September 2018 wurde der Firmensitz von EFEN an den Frankfurter Flughafen verlegt; die Mitarbeiter, überwiegend aus dem Rheingau, nahmen die Fahrt auf sich. Aufgrund von Verkaufsabsichten seitens der Hager Group schaltete sich uesa-Geschäftsführer Helmut Hoffmann aus Uebigau ein und machte sich für den Erhalt der EFEN stark. Im September 2019 wurde die EFEN GmbH von der uesa GmbH erworben und verlagerte den Firmensitz wieder von Frankfurt nach Martinsthal. Das war ein großes Glück für EFEN, das heute immer noch als international erfolgreiches Unternehmen agiert. Der 1992 als Produktionsstandort eröffnete Sitz in Uebigau ist heute das Stammhaus von EFEN.

Seit 2019 ist also das Vertriebs-Service-Center wieder in Martinsthal, aber nicht mehr im allseits bekannten Firmengebäude an der B260, sondern im Gewerbegebiet auf der Großen Hub, wo die digitale Infrastruktur geeigneter war. Von den einstmals rund 300 Mitarbeitern, die in den besten Zeiten in den 1990er Jahren in Martinsthal arbeiteten, sind hier noch 20 „übriggeblieben“, was allerdings in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die Produktion von Martinsthal nach Uebigau verlegt wurde, wo heute 160 Mitarbeiter tätig sind. Weitere 60 Mitarbeiter arbeiten in den Betriebstätten in Polen und der Slowakei.

„Wichtigen Dank auszusprechen gilt an dieser Stelle aber auch allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Jahrhunderts, denn ohne deren Mannschaftsleistung und Teamgeist wäre solch eine Ära, Erfolgsgeschichte und Entwicklung nicht möglich gewesen“, betonte Münch am Ende seiner Rede. Er wünschte den Gästen einen genussvollen Abend bei guten Gesprächen und schönen Erinnerungen. Eingeladen waren die Führungsebenen des Stammsitzes, der einzelnen Betriebstätten, der uesa GmbH, frühere Geschäftsführer und leitende Angestellte und Geschäftspartner aus früheren Verbindungen.

Mit dabei war auch die frühere Geschäftsführerin Gisela Frees, die 94-jährige Tochter des Gründers, die ein kurzes Grußwort sprach und vielen noch in guter Erinnerung ist, denn bei den wenigen Mitarbeitern, die in Martinsthal verblieben sind, handelt es sich um langjährige Angestellte, so zum Beispiel Jutta Wagner, heute Leiterin Zentrale Dienste im Martinsthaler Büro. Die Rauenthalerin hat 1980 ihr Vorstellungsgespräch mit Gisela Frees geführt und wurde von ihr als Auszubildende eingestellt. Nach der Ausbildung arbeitete sie noch drei Jahre bei EFEN, machte dann eine Familienpause und kehrte 1994 zurück. Harald Kownatzky ist bereits seit 37 Jahren bei EFEN, hat berufsbegleitend sein BWL-Studium absolviert und ist heute Vertriebsleiter für Europa. Auch Alexander Hess ist seit 33 Jahren bei EFEN und hat sich zum Leiter Technisches Marketing hochgearbeitet. Die langjährige Betriebszugehörigkeit spricht für ein gutes Arbeitsklima, das allen Stürmen standgehalten hat.

Am kommenden Wochenende wird es weitere Feierlichkeiten zum 100-jährigen EFEN-Jubiläum am neuen Stammsitz in Uebigau geben, an denen auch die Martinsthaler Belegschaft aus dem Vertriebs-Service-Center teilnehmen wird.

 

Quelle: Rheingau Echo, Ausgabe 21. Juli 2022
Redaktion: Christa Kaddar